Nachruf
Die Schulgemeinde des Gymnasiums St. Mauritz trauert um den am 22. März 2018 verstorbenen ehemaligen Kollegen
Dr. Roland Heßler
Als wir Roland Heßler 2012 nach 34-jähriger Tätigkeit an seiner Schule, dem Gymnasium St. Mauritz, verabschiedeten, konnte niemand ahnen, welchen schweren Weg er in den kommenden Jahren vor sich haben würde.
Er sah einen Weg vor sich, der ihm neue Freiheiten bescheren würde für seine vielen Kontakte, für die Pflege von Haus und Garten, für Reisen in interessante Orte und zu begehrten Weinlagen. Von der Schule wollte er sich dabei gar nicht so abrupt verabschieden, mit wenigen Stunden wollte er noch an dem Ort bleiben, der ihn 34 Jahre lang beschäftigt, beansprucht und begeistert hatte. Schule als Ort engagierten pädagogischen Wirkens und lebendiger Kommunikation mit Gleichgesinnten – das hatte viel zu lange sein Leben bestimmt, als dass er es für einen bequemen Ruhestand rasch hinter sich lassen wollte. Selbst aus einer Lehrerfamilie stammend, konnte es ihm schon während des Studiums seiner Fächer Biologie, Erdkunde und Kunst gar nicht schnell genug gehen mit einer begleitenden Unterrichtspraxis an unterschiedlichen Schulen, die er auch während seiner Arbeit an der Promotion im Fach Biologie nicht unterbrach. Dabei lag ihm nie nur an der Vermittlung von Wissen oder der Entfaltung künstlerischer Fähigkeiten. Schüler möglichst umfassend in ihrer Entwicklung zu fördern war ihm von Anfang an wichtig. Und so kann es nur auf den ersten Blick überraschen, dass er während seiner Tätigkeit am Gymnasium in Ochtrup an ausgewählten Wochenenden auch noch 25 Fahrten ins Sauerland organisierte, an denen Schülerinnen und Schüler, Studenten und Berufstätige teilnahmen.
Er war eine Lehrerpersönlichkeit und ließ nie einen Zweifel daran aufkommen, dass Unterricht etwas mit Anspruch, Lernen und Disziplin, aber auch mit Interesse, Motivation und Begeisterung zu tun hat. Noch da, wo es scheinbar nur um Formales und Technisches zu gehen schien, in der Beratung der Oberstufenschüler, stand das pädagogische Anliegen, der Lernweg der Schülerinnen und Schüler im Vordergrund. Roland Heßler kannte die, die er zu betreuen und zu beraten hatte, suchte das ehrliche Gespräch mit ihnen und hat so viele auch davor bewahrt, eine falsche Laufbahn einzuschlagen.
Er hat sich nie dem Gespräch verweigert, war immer engagiert in den vielen Jahren seiner besonderen Verantwortung im Leitungsteam der Schule und verstand es, das Kleine so ernst zu nehmen wie das Große nicht aus dem Blick zu verlieren. Und dass es ihm dabei gelang, Atmosphäre zu schaffen, werden alle die in Erinnerung behalten, die erlebt haben, dass bei ihm der Kaffee nicht ausging, kleine Essvorräte nicht fehlten und bei größeren Kollegiumsveranstaltungen der Wein zuverlässig geordert werden konnte.
Er war ein Mann des Dialogs, aber auch der Geselligkeit, was uns in der Schule so erlebbar war wie den vielen Freunden, mit denen er außerhalb der Schule regelmäßig Kontakt pflegte. Auf diese Weise dem Leben zugewandt, mochte er nicht glauben, dass Krankheit, die er im Dienst kaum kannte, sein Leben so beherrschen könnte.
Er hat sich seiner heimtückischen Krankheit mit allen ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten entgegengestemmt. Obwohl sein Alltag längst von unvermeidlichen Arztbesuchen bestimmt wurde, hat er die Hoffnung auf Besserung bis zum Schluss nicht aufgegeben. Sein Glaube an den Gott des Lebens wird ihm immer wieder die Kraft gegeben haben, angesichts der Herausforderung nicht zu resignieren.
Nun fehlt er uns. Wir werden ihn schmerzlich vermissen.
Aber wir sind dankbar dafür, dass wir einen langen Weg mit ihm gemeinsam gehen durften.
Theo Welling
Schulleiter a. D.